eisfuchsLabor

So. Liebe Freunde. Man hat mich doch tatsächlich für ein paar Stunden alleine zu Hause gelassen und die Wäsche ist gerade in der Maschine; genug Zeit also, um meinen Worten Taten folgen zu lassen und Mailpile anzutesten - zumal tatsächlich wider Erwarten Interessenbekundigungen bestätigen, dass Bedarf einer Zusammenfassung von Erfahrung durchaus besteht.

Zunächst: Mailpile ist ein quelloffenes Projekt, das darauf abzielt, einen sicheren, robusten, schnellen, einfachen, werbefreien und dezentralen E-Mail-Clienten zu bauen. Der Clue an der ganzen Sache ist, dass PGP nativ mit integriert werden soll. Das Verschlüsseln einer Mail (sofern Schlüssel schon ausgetauscht wurden) ist also nur noch einen Klick auf ein Icon im Nachrichten-Editor entfernt. Warum verschlüsselte E-Mails cool sind, erwähnte ich bereits auf diesem Kanal und sollte eigentlich jedem klar sein. Falls Du verschlüsselte Mails doof findest, hast Du sicher auch nichts dagegen, wenn wir Kameras in Deinem Wohnzimmer aufhängen, oder? Denkt an Euer Soma!

Ich werde für den Test Mailpile in einer isolierten, virtuellen Maschine installieren. Das hat mehrere Gründe. Erstens möchte ich das Experiment so schnell wie möglich wieder löschen können, falls es mutiert und auf einmal Tentakel-Arme bekommt, zweitens gibt es (bis jetzt) keinen Windows-Support und drittens möchte ich mir mein schönes System nicht besudeln. Dafür nehme ich ein Netz-Installations-Image von Debian Testing, obwohl die Entwickler auf Ubuntu 12 zielen (Ich weiß. Ruhe da hinten!).

Los geht's! Mate! deadmau5! Action!

Schnarch...

(eine halbe Flasche Mate später)

Dreck!

Okay? Nun, ich schätze, ich werde keine Software brauchen, also überspringen, nicht wahr? Hm. GRUB ist nicht da. Okay. Also noch mal von vorne. In der Zwischenzeit ist die Wäsche auch schon durch, also schnell Pakete auswählen und flugs in den Keller gewetzt.

Weniger geht aber wirklich nicht.

Ha! Jetzt ging's! Aber erst mal die Wäsche aufhängen.

blink blink

sudo apt-get install git
git clone -b release/alpha https://github.com/pagekite/Mailpile.git
cd Mailpile/

Okay, das war leicht. Das Programm hätten wir schon mal. Jetzt einrichten und starten. Mal sehen...

sudo apt-get install make build-essential ruby
sudo make debian-dev

Und peng. Es fehlt schon das erste Paket, phantomjs. Eine kurze Suche zeigt: phantomjs ist nicht in Debian Testing enthalten, sondern erst in Unstable. (Oder vielleicht bin ich auch einfach nur dumm.) Aber auch das sollten wir schnell wieder in den Griff kriegen.

sudo apt-get update
sudo apt-get install build-essential chrpath git-core libssl-dev libfontconfig1-dev
git clone git://github.com/ariya/phantomjs.git
cd phantomjs/
git checkout 1.9
./build.sh

Hey, geht doch ganz fix bisher (es ist mittlerweile 21:10 Uhr)! Jetzt erst mal einen Kaffee trinken (oder zwei), bis PhantomJS kompiliert ist. So lange kann das ja gar nicht dauern.

Hm. Es ist 22:34 und es kompiliert immer noch. Gehe in die Küche, um mir Popcorn zu machen. Ich bin mittlerweile auch nicht mehr allein zu Hause und habe schon die zweite Mate aufgemacht.

23:13. Compiler ist durchgelaufen. Und, Überraschung: Das Kompilieren hat nichts gebracht. Paketquellen finde ich keine, also ein anderer Ansatz.

sudo cp ./bin/phantomjs /bin

Mit der Binary sollte es ja an sich funktionieren; wir müssen nur phantomjs aus der Makefile entfernen. Und siehe da: apt-get läuft durch.

eiszfuchs@mailpile:~/Mailpile$ |

Das sieht schon ziemlich cool aus. Dann mal starten!

./mp
mailpile> |

Cool! Mal ein Konto einrichten!

mailpile> setup
mailpile> set profiles.0.email = eiszfuchs@localhost
mailpile> set profiles.0.name = Raphael

Viel mehr kann ich an dieser Stelle auch nicht mehr machen. An sich reicht das schon. Mailpile wird jetzt das lokale sendmail benutzen, um Mails zu verschicken. Schnell den Port umleiten und mit dem Browser mal testen. Offenbar muss Mailpile auch selber noch laufen, obwohl sich die Anleitung so liest, dass man den Prozess beenden kann. Noch kommt man nicht von außen rein, also setze ich den Host auf 0.0.0.0.

./mp --set sys.http_host=0.0.0.0

Nach vielen Schmerzen

Es läuft. Aber hier ist schon das erste Problem: Ich kann nicht mal einen Kontakt (Name + E-Mail-Adresse) anlegen! Puh. Wahrscheinlich habe ich etwas falsch gemacht. Oder es fehlt etwas. Aber ich sehe keine hilfreichen Fehlermeldungen. Logs finde ich auf die Schnelle auch nicht. Mich verlässt die Lust.

Fazit der Alpha: Fehlender Windows-Support ist auf keinen Fall attraktiv. Das muss behoben werden. Dass ich mir PhantomJS erst stundenlang kompilieren muss, damit ich das unter Debian laufen lassen kann, ist auch nicht so wirklich der Knaller. Dann kann ich noch keine Kontakte anlegen, viele Klicks in der GUI werfen fiese "Nix geht!"-Meldungen ohne hilfreiche Hinweise und unterm Strich hat es einfach noch viel zu lange gedauert, das aufzusetzen (was mit an der Installation von Debian und an PhantomJS lag; Mailpile war fix eingerichtet!). Manche würden Python/Ruby noch als Nachteil zählen. Wenigstens ist kein PHP drin.

Momentan tut Mailpile - zumindest für mich - noch nicht das, was es soll. Das ist schade. Wir sehen uns zur Beta. Solange Roundcube mit frickeligen Encryption-Plugins? Ne. Siehe Thunderbird.

Es ist Mitternacht. Tschau, für heute hab ich die Schnauze voll.

Nachtrag vom 7.7.2014: Okay, Debian war vielleicht etwas gemein, wir versuchen es noch mal mit Ubuntu 14.04.

sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade
sudo apt-get install git
git clone -b release/alpha https://github.com/pagekite/Mailpile.git
sudo apt-get install make build-essential ruby
cd Mailpile
sudo make debian-dev
./mp

Soweit cool: Die Installation an sicht geht reibungslos. Einfach fertig.

So weit waren wir ja schon.

(Aber) Hier kommt das große Aber: Kontakte kann ich immer noch nicht anlegen, und wenn ich - wie im Test vorher - versuche, eine E-Mail zu verfassen, kommt ein kleiner, roter Balken von oben mit einer knappen, nichtssagenden Fehlermeldung. Schade.